Arbeit

    „Nordkurier“ strukturiert Zustellung um

    Neue Tochter soll gegründet werden

    9. Januar 2018 – Eine böse Überraschung erlebten 60 Brief- und Paketzusteller/innen in Mecklenburg kurz nach Weihnachten. Die Beschäftigten der Nordkurier Logistik Mecklenburgische Schweiz GmbH & Co. KG erhielten ihre Kündigung. Der Arbeitgeber teilte mit, die Gesellschaft zum 31. Januar 2018 auflösen zu wollen. Für den zuständigem ver.di-Landesfachbereichsleiter Lars-Uwe Rieck liegt der Verdacht nahe, dass die überraschende Betriebsschließung mit bevorstehenden Betriebsratswahlen zusammenhängt. Im November hatte die Belegschaft einen Wahlvorstand gewählt, damit sie in Zukunft ihre Rechte von einem Betriebsrats vertreten lassen können.

    Miserable Arbeitsbedingungen

    Ende des Jahres folgte dann die Kündigung. „Der ,Nordkurier' hat miserable Arbeits- und Einkommensbedingungen. Anstatt sich mit Betriebsräten und ver.di sachorientiert auseinanderzusetzen, wählt die Geschäftsführung den vermeintlich einfachen Weg der Betriebsschließung und entlässt 60 loyale Zeitungs- und Briefzusteller in die Arbeitslosigkeit“, so Lars-Uwe Rieck. Die von der Kündigung betroffenen Beschäftigten arbeiten ausschließlich in Vollzeit und auf Mindestlohnniveau in und um Dargun, Gnoin, Teterow, Malchin und Stavenhagen. Alle weiteren individuellen arbeitsvertraglichen Bestandteile liegen bislang nur auf Gesetzesniveau. Die Arbeitszeit beginnt in der Regel um 2 Uhr in der Nacht und geht bis 10 bzw. 12 Uhr. Eine Minimalausstattung an Arbeitsschutzbekleidung wird den Beschäftigten vom Betrieb gestellt, darüber hinaus gehende Kleidung muss käuflich erworben werden.

    Bislang verweigerte die Geschäftsführung ver.di gegenüber eine Stellungnahme. Täglich stellen die Beschäftigten rund 40.000 bis 50.000 Sendungen zu. Nach ver.di-Informationen werden bereits alle Briefsendungen umfrankiert und mit der Deutschen Post AG zugestellt.

    Kündigungen zurücknehmen

    ver.di fordert den Arbeitgeber auf, den Betrieb nicht zu schließen und die Kündigungen zurückzunehmen. Die Gewerkschaft will in der kommenden Woche die Kampagne „fair zustellt, statt ausgeliefert“ beim „Nordkurier“ starten. In deren Rahmen sollen insbesondere die Zeitungsabonnent/innen und Leser/innen des „Nordkuriers“ ausführlich über das Vorgehen informiert werden. „Die unabhängige Berichterstattung im ,Nordkurier' gerät in Schieflage, da die Betriebsschließung und die einhergehenden Kündigungen bisher systematisch in der Tageszeitung gegenüber Kunden, Abonnenten und der Öffentlichkeit verschwiegen wurden“, kritisiert Lars-Uwe Rieck.

    Die Nordkurier Logistik Mecklenburgische Schweiz GmbH & Co. KG ist eine hundertprozentige Tochterfirma der Nordkurier Mediengruppe GmbH & Co. KG, an der wiederum die „Kieler Nachrichten“ zu einem Drittel beteiligt ist. Sie gliedert sich in sieben Zustellbetriebe innerhalb der Postleitzahl 17. Der „Nordkurier" ist eine Tageszeitung mit einer verkauften Auflage von knapp 70.000 Exemplaren täglich. Er erscheint überwiegend in Ostmecklenburg, im südlichen Vorpommern und im brandenburgischen Landkreis Uckermark.

    Update 16. Januar 2018

    Mitte Januar hat die „Nordkurier"-Mediengruppe angekündigt, dass sie die 60 Kündigungen zurücknehmen wolle. Die Nordkurier Logistik Mecklenburgische Schweiz GmbH & Co KG solle nicht geschlossen, aber verkleinert werden. Gleichzeitig solle in dem Zustellbezirk eine zweite Firma aufgebaut werden. ver.di geht nach den Ankündigungen davon aus, dass die Beschäftigten zu gleichen Bedingungen wechseln können. Der vor Ort zuständige ver.di-Sekretär Thomas Ebeling sagte, wichtig sei für ver.di und die Bechäftigten jetzt, dass in beiden Firmen ein Betriebsrat gewählt werde.

    Dem Brief- und Paketservice des Nordkuriers drohte das Aus ver.di Hamburg, PSL Dem Brief- und Paketservice des Nordkuriers drohte das Aus  – Dem Brief- und Paketservice des Nordkuriers drohte das Aus