Arbeit

    Schöne neue stressige Arbeitswelt

    Digitalisierung: Arbeitshetze nimmt zu

    12. Juni 2017 | Computer, Smartphone, Roboter und Co – die Digitalisierung ist längst in vollem Gange und verändert die Arbeitswelt tiefgreifend. Die Beschäftigten spüren es. Körperliche Belastungen nehmen ab, Arbeitshetze und psychischer Druck nehmen jedoch deutlich zu. Wer seine Arbeit mitgestalten kann, leidet allerdings weniger unter den negativen Folgen der Digitalisierung. Das sind die zentralen Befunde einer neuen Studie zu „Digitalisierung und Arbeitsqualität“ im Auftrag von ver.di auf Basis einer Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2016. Die Studie ist hier abrufbar: ver.di Innovation und Gute Arbeit

    Die Digitalisierung in der Arbeitswelt schreitet voran und die Belastungen und die Arbeitshetze quer durch alle Branchen nehmen zu. Foto: Marius Becker/dpa Schöne neue stressige Arbeitswelt

    Laut Studie sind mittlerweile 83 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor von Digitalisierung betroffen – zumeist bei der Kommunikation, gefolgt von der Arbeit mit elektronischen Geräten und von softwaregesteuerten Arbeitsabläufen. 47 Prozent der in hohem und sehr hohem Maße Betroffenen geben an, dass die Digitalisierung insgesamt ihre Arbeitsbelastung erhöht habe: Das liegt an der wachsenden Arbeitsmenge, an mehr Arbeitshetze und Zeitdruck sowie erhöhtem Multitasking. Zudem haben Überwachung und Kontrolle der Arbeit zugenommen Die Studie zeigt aber auch, die negativen Folgen werden geringer, wenn die Beschäftigten mehr Einfluss auf die Gestaltung ihrer Arbeit haben. Dazu gehören Mitspracherechte bei der Arbeitsmenge und beim Technikeinsatz.

    „Wenn 47 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, dezidiert sagen, die Digitalisierung habe bei ihnen insgesamt zu einer Steigerung der Arbeitsbelastung geführt, und nur 8 Prozent eine Verringerung erleben, dann läuft die Digitalisierung schief.“

    Frank Bsirske, ver.di-Vorsitzender

    In den einzelnen Branchen sind die Belastungen unterschiedlich verteilt: So beklagen die Beschäftigten in der Informations- und Kommunikationstechnikbranche besonders den Zeitdruck – 65 Prozent der Betroffenen arbeiten gehetzt, und für 61 Prozent hat sich die Arbeitsmenge erhöht. Beschäftigte in Banken mit einem hohen Digitalisierungsgrad der Arbeit machen sich dagegen vor allem Sorgen um ihren Arbeitsplatz – 60 Prozent von ihnen befürchten, dass infolge der Digitalisierung ihr Job künftig wegfällt. Darüber hinaus nimmt die Studie aber auch öffentliche Verwaltungen, Verkehr, Einzelhandel, Krankenhäuser und die Energieversorgung ins Visier.

    Der ver.di-Vorsitzende, Frank Bsirske, betont im Vorwort der Studie, das Anliegen von ver.di sei es, den technischen Wandel so zu gestalten, dass er zu einem Mehr an Guter Arbeit führe und nicht zu einem Wachstum von Arbeitsbelastungen und sozialen Verwerfungen. „Wenn 47 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, dezidiert sagen, die Digitalisierung habe bei ihnen insgesamt zu einer Steigerung der Arbeitsbelastung geführt, und nur 8 Prozent eine Verringerung erleben, dann läuft die Digitalisierung schief“, so Bsirske. Die Studie liefert auch eine Fülle an Hinweisen, wie digitale Verfahren in der Arbeitswelt gesundheits- und persönlichkeitsförderlich eingesetzt werden können. Wie etwa zur Entlastung von schwerer körperlicher Arbeit, zur Erweiterung der individuellen Entscheidungsspielräume der Beschäftigten und zur Verbesserung der Work-Life-Balance. „Das A und O sind dabei die Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten auf den Einsatz der digitalen Technik und auf die Arbeitsgestaltung, die durch ein Netz kollektiver Regelungen abzusichern sind“, so Bsirske.

    „Es ist offensichtlich, dass eine digitalisierte Arbeitswelt mit der Regulation von Arbeitszeitlänge und Arbeitszeitlage allein nicht wirksam human gestaltet werden kann. Wir brauchen Mitbestimmungsrechte bei der Arbeitsmenge und zwar bald. Die Anzahl der Menschen, die unter steigender Arbeitsmenge leiden, wird sonst zunehmen“, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder angesichts der Studienergebnisse.

    Studie hier abrufen:

    ver.di Innovation und Gute Arbeit

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