Arbeit

    „Blick zurück nach vorn“ im Leipziger Kulturkraftwerk

    Karl Marx reloaded

    Eine ehemalige Maschinenhalle mit rohen Wänden, es riecht noch nach Schmiermitteln, vergeblich sucht das Auge Menschen in dreckigen Blaumännern. Stattdessen bleibt es an den Arbeiten von sechs renommierten Künstler/innen aus Ostdeutschland, Serbien und Kroatien haften, die sich mit der Lehre Karl Marx’ beschäftigt und sich kritisch mit dem sozialistischen Erbe der ehemaligen Ostblockstaaten auseinandergesetzt haben.

    Der Ort könnte nicht besser gewählt sein. Wo früher im ehemaligen Leipziger Industriestadtteil Plagwitz malocht wurde, ist ein überregional beachteter Kulturpark entstanden: Zur bereits bekannten Spinnerei mit unzähligen Ateliers und anderen unkonventionellen Kunst-Orten kam im Mai diesen Jahres mit dem „Kunstkraftwerk“ ein weiterer Ort hinzu. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich das ehemalige Heizkraftwerk in eine experimentelle Fabrik, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Kultur, zeitgenössisches Design und Kommunikation verwandelt. Die aktuelle Ausstellung „Blick zurück nach vorn“ will anregen, die Schriften von Karl Marx auf neue Weise zu überdenken und den Blick zurück mit unseren heutigen Lebenswirklichkeiten zu verbinden.

    Ausstellung „Blick zurück nach vorn“: Was von der Arbeiterbewegung übrig geblieben ist – Künstlerin Kristina Leko bei der Arbeit Foto: Gundula Lasch Was von der Arbeiterbewegung übrig geblieben ist – Künstlerin Kristina Leko bei der Arbeit

     

    Kristina Leko hat Bürger/innen im ehemaligen Berliner Arbeiterviertel Wedding nach ihren Bezügen zur Geschichte der Arbeiterbewegung befragt. Die Antworten hat sie mit Kreide in Schönschrift auf eine schwarze Leinwand geschrieben: „Ich war erstaunt, wie wenige Leute noch einen Bezug zur Arbeiterklasse haben – geschweige denn sich selbst als dazugehörig empfinden“, sagt die Künstlerin aus Zagreb.

    In einem ehemaligen Steuerstand des Kraftwerks regiert der Lärm: In der beklemmenden Enge des kleinen Raums wird man von einer zunächst undefinierbaren Geräuschkulisse empfangen, begleitet von wechselnder Farbbeleuchtung. Anna Schimkat hat den Lärm vom Klärwerk in Leipzig, dem VW-Werk in Dresden und der Baustelle des neuen A100-Anschlusses in Berlin-Neukölln aufgezeichnet und zur „Sinfonie“ aufbereitet. Die Leipziger Künstlerin sagt, „Ostdeutschland schwingt in C-Moll“, und möchte sich gern auf eine Diskussion darüber einlassen.

    Rainer Görß aus Berlin zeigt mit dem Titel „Arbeite mit, plane mit, regiere mit“ eine Rauminstallation aus Objekten und Dokumenten des Untergrundmuseums U144 in Berlin (www.untergrundmuseum.de). In den großen Collagen zu (DDR-)Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entdeckt man bei näherem Hinsehen viel Bekanntes – vom runden Emblem von „Schwerter zu Pflugscharen“ über SED-Abzeichen bis zum Textauszug der Internationalen. Der Blick in die Zukunft ist von Hinweisen auf Big Data und einer kalten Plastikmaschinerie geprägt. Görß’ Installation führt zu mannigfaltigen Assoziationen, die ganz von der Biografie der Betrachter/in abhängig sind.

    Else Twin Gabriel spielt mit „Verheißungen, die sich in Luft auflösen“, so die Künstlerin. Sie ist seit 2009 als Professorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee tätig und spürt noch immer die unterschiedlichen Ost- und West-Mentalitäten: „Das wirkliche Problem daran ist, dass wir noch immer nicht offen darüber reden und uns deshalb nicht wirklich verstehen“. Gabriel zeigt das provokante Video „Kind als Pinsel“, das auf die fragwürdigen didaktischen Methoden im Sozialismus  abzielt. Ihr zweites Stück, ein prächtig geschmückter Weihnachtsbaum, soll seine schönen Kugeln bald gewaltsam verlieren – es wirkt wie eine Art Anschlag auf eine gute alte Tradition.

    Text: Gundula Lasch

    www.kunstkraftwerk-leipzig.com

    https://www.facebook.com/events/197606590662937/

    Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. Oktober 2016 (es gibt in diesem Zeitraum Performances und Workshops u.a. mit Wissenschaftlern). Öffnungszeiten: DI-SO 10-18 Uhr, Eintritt frei. Adresse: Kunstkraftwerk Leipzig, Saalfelder Str. 8b, 04179 Leipzig.

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