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  • Arbeit : Cooler Arbeitgeber, voll uncoole Arbeitsbedingungen

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Böses Spiel bei Goodgame

Sie sind jung und wollen mehr. Zunächst einmal nur einen Betriebsrat gründen. Und mit diesem dann eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen erstreiten. So hatten sich das 28 junge Beschäftigte von dem Hamburger Onlinespiele-Produzent Goodgame Studios gedacht. Ende November, nachdem sie zusammen mit ver.di zur Betriebsversammlung eingeladen hatten, wurde ihnen fristlos gekündigt.

Voll im Unternehmen aufgehen, aber bitte nicht mitbestimmen wollen – beim Onlinespiele-Produzent Goodgame Studios will man keinen Betriebsrat

<i>Foto: DPA Bildfunk</i><div class="clearfloat"></div><b>Ganz im Unternehmen aufgehen, aber bitte nicht mitbestimmen wollen – beim Onlinespiele-Produzent Goodgame Studios will man keinen Betriebsrat</b>

Foto: DPA Bildfunk Ganz im Unternehmen aufgehen, aber bitte nicht mitbestimmen wollen – beim Onlinespiele-Produzent Goodgame Studios will man keinen Betriebsrat


Führend nur am Markt

Für ver.di liegt der Zusammenhang zwischen den Kündigungen und dem Engagement der Betroffenen auf der Hand. Im Frühjahr hatten sie bei ver.di um Unterstützung für eine Betriebsratswahl angefragt. Und diese auch bekommen. Gabriele Weinrich-Borg, Landesbezirksfachbereichssekretärin Telekommunikation und Informationstechnologie bei ver.di-Hamburg, sagt: „Dass fast allen, die sich im Vorfeld engagiert haben, gleichzeitig gekündigt wird, spricht eine deutliche Sprache. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass ein Branchenriese die betriebliche Mitbestimmung der Beschäftigten attackieren will.“ Zudem sei einigen Betroffenen wegen angeblicher Leistungsdefizite gekündigt wurden, obwohl ihnen kurz zuvor noch eine gute Arbeit bestätigt wurde. Anderen wurden betriebliche Gründe genannt, obwohl Goodgame „regelmäßig und umfangreich“ neu einstelle.

„Vier Wochen Jahresurlaub, viele Befristungen und bei einigen gibt’s gerade mal den Mindestlohn, und jetzt diese Kündigungen – das nenne ich deutlich Badgame.“

Gabriele Weinrich-Borg, Fachbereichsleiterin Telekommunikation und Informationstechnologie bei ver.di-Hamburg

Mit insgesamt 1.200 Beschäftigten gilt Goodgame Studios als Marktführer für Onlinespiele in Deutschland. Führend bei der Bezahlung seiner Beschäftigten ist das Unternehmen hingegen nicht, auch wenn es in der Vergangenheit von Politik und Wirtschaft nicht nur einmal für seine angeblich guten Arbeitsbedingungen ausgezeichnet wurde. Nur: Einem eigenen Pool im Garten, Freibier am Abend, Öko-Frühstück in der Cafeteria und Events mit Feuerwerk stehen eine schlechte Bezahlung, kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld und nur 24 Tage Jahresurlaub, von denen lediglich 20 Tage frei verfügbar sind, gegenüber. „Das positive Image dieses Unternehmens deckt sich nicht mit dem Umgang zu seinen Beschäftigten. Vier Wochen Jahresurlaub, viele Befristungen und bei einigen gibt’s gerade mal den Mindestlohn, und jetzt diese Kündigungen – das nenne ich deutlich Badgame“, so Weinrich-Borg.

Tatsächlich hat Goodgame bis zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro die Stunde nicht wenige Beschäftigte mit einem Lohn unter diesem abgefrühstückt. Und auch Mitarbeiter/innen mit Hochschulabschluss in der Spieleentwicklung verdienen auch heute nicht mehr als 2.400 Euro brutto im Monat. Dabei hat das Unternehmen allein in diesem Jahr schon einen Gewinn von 30 Millionen Euro gemacht.

Problemlose Betriebsratswahl jetzt?

ver.di lädt nun in Absprache mit der Geschäftsführung für den 19. Januar zu einer Betriebsversammlung ein, um durch die Wahl eines Wahlvorstandes eine Betriebsratswahl bei Goodgame einleiten zu lassen. „Wir erwarten von Goodgame Studios, dass die Betriebsratswahl jetzt problemlos stattfinden kann“, sagt Weinrich-Borg. „Jegliche Einflussnahme der Geschäftsführung wäre illegal und strafbar.“

Da die Kündigungen der 28 Beschäftigten noch nicht vom Arbeitsgericht bestätigt wurden, können die Betroffenen für den Betriebsrat kandidieren. Allerdings bleibt ihnen der Zutritt zur Betriebsversammlung verwehrt. „Wenn Goodgame Studios es zukünftig ernst meint mit der Akzeptanz eines Betriebsrats, müssen die Kündigungen zurückgenommen werden. Wenn nicht, könnte der Ruf als guter Arbeitgeber dauerhaft Schaden nehmen. Und die Arbeitsgerichte werden sich im neuen Jahr um jeden einzelnen Fall kümmern“, so Weinrich-Borg. Es mag cool sein, wenn man von der Uni kommt, bei sogenannten Start-Ups wie Goodgame Studios zu arbeiten. Nur wenn die Arbeitsbedingungen dann voll uncool sind, ist es angesagt, sich zu organisieren – rät die ver.di-Frau.

Text: Petra Welzel

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