Arbeit

    Deutscher Betriebsräte-Preis 2015

    Bronze für Betriebsrat der Kliniken Nordoberpfalz AG in Erbendorf

    Überstunden, Überlastung, Schwierigkeiten den Patienten gerecht zu werden und immer häufiger das Zurückholen aus der Freizeit an den Arbeitsplatz, um Engpässe aufzufangen – das wollten und konnten die Mitarbeiter/innen der Kliniken Nordoberpfalz in Erbendorf nicht länger mitmachen. Der Betriebsrat stellte ein Ultimatum an den Arbeitgeber. Für sein Engagement bekam er nun den von der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ ausgelobten Betriebsräte-Preis in Bronze.

    Klaus Heyert und Monika Selch freuen sich über den Betriebsräte-Preis in Bronze Foto: Betriebsräte-Preis Udo Blätterlein und Monika Selch freuen sich über den Betriebsräte-Preis in Bronze

     

    „Der Preis gibt uns Rückhalt und zeigt uns, dass wir erst einmal alles richtig gemacht haben“, sagt Betriebsratsvorsitzende Monika Selch. Der Weg aber sei „steinig und lang“ gewesen und auch noch nicht zu Ende. Die Situation sei noch immer angespannt. „Wir haben weiterhin Überstunden. Wir haben aber auch die Bereitschaft bei den Mitarbeitern, zusätzliche Stunden zu leisten. Denn allen ist klar, wenn mehr Personal da ist, senkt das die Belastung des Einzelnen.“ Es habe sich etwas geändert, auch durch die neuen Vollzeitkräfte, aber noch sei nicht alles gut.

    Im Gegensatz zu früher sind immer mehr Patienten körperlich und geistig schwer krank und bedürfen einer intensiven Pflege. Die Mitarbeiter/innen haben unter der Mehrarbeit und Erhöhung der Überstunden gelitten. Doch es wurden keine weiteren Kräfte eingestellt.  Noch mehr Pflegebedarf entstand. Die Schichtbesetzungen wurden trotz steigender Belastung nicht entsprechend angepasst. Der Druck und die Belastungen nahmen ins Unerträgliche zu. Mitarbeiter/innen reichten zahlreiche Gefährdungsanzeigen ein.

    Ultimatum gestellt

    Schließlich schrieben der Betriebsrat und die Kollginnen und Kollegen eine kollektive Gefährdungsanzeige und stellten dem Arbeitgeber ein Ultimatum, er solle neue Vollzeitkräfte einstellen, sonst würden die Mitarbeiter/innen nicht mehr aus dem Frei einspringen. Mehrere Wochen lang haben die Beschäftigten diese Drohung als Druckmittel wahrgemacht. Zudem hat der Betriebsrat einen Soli-Brunch in Erbendorf organisiert, um die Kolleginnen und Kollegen der anderen Klinik-Einrichtungen auf das Problem aufmerksam zu machen und sie aus erster Hand zu informieren. In Teilbetriebsversammlungen wurden die Beschäftigten über die aktuelle Situation informiert.

    Betriebsvereinbarung erreicht

    Die vielen Verhandlungen mit dem Arbeitgeber, der Gegendruck von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und das Ultimatum haben etwas bewirkt: Der Betriebsrat konnte eine Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit abschließen und der Stellenplan wurde um 3,5 Vollzeitkräfte erhöht. Weitere Maßnahmen in der Organisation, im Service und zur Optimierung des Tagesablaufs wurden eingeführt. Monika Selch sieht aber noch immer einen „steinigen Weg“ vor sich. „Vieles ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir können ja nicht einfach streiken. Es geht um Menschen, die Hilfe brauchen. Wir müssen immer gucken, dass die Patienten ausreichend versorgt sind.“  Umso mehr freut sich die Betriebsratsvorsitzende über den Bronzepreis. „Das ist eine Anerkennung unserer Arbeit mit Unterstützung unserer Kolleginnen und Kollegen.“

    Weitere Preise

    Die Zeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ zeichnet mit dem Betriebsräte-Preis seit 2009 das Engagement von Betriebsräten aus, die sich für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie für bessere Arbeitsbedingungen in Unternehmen einsetzen.

    Bei den Sonderpreisen ist der Gesamtbetriebsrat von einem weiteren Unternehmen aus dem ver.di-Organisationsbereich vertreten: Die Deutsche Telekom AG, Bonn. Sie bekam die Auszeichnung in der Kategorie „Innovative Betriebsratsarbeit“ für das Projekt „Zukunftskonferenz – Mut zur Zusammenarbeit“. In dem Projekt ging es um Weichenstellungen für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Arbeitgebervertretern. Vereinbart wurde, Ziele für die Zukunft gemeinsam festzulegen. Verabredet wurde auch, Hindernisse zu überwinden, die einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Management und dem Aushandeln der Interessen im Wege stehen.

    Weitere Sonderpreise gingen an die Betriebsräte der Bayer Vital GmbH, Leverkusen (Kategorie „Arbeitszeitgestaltung“); VARTA Microbattery GmbH, Ellwangen (Kategorie „Gute Arbeit“) und Bosch Rexroth AG, Schweinfurt (Kategorie „Zukunftssicherung“). Der Preis in Gold ging an den Betriebsrat der Volkswagen AG Salzgitter für eine altersgerechte Montagelinie, die den ergonomischen Bedürfnissen von älteren und gesundheitlich eingeschränkten Beschäftigten gerecht wird. Silber bekam der Betriebsrat der Conditorei Coppenrath & Wiese GmbH & Co. KG in Osnabrück für eine Gesamtbetriebsvereinbarung, die Standort und Beschäftigung für über 2.300 Beschäftigte sichert.

    Verleihung des Betriebsräte-Preises 2015 Foto: Betriebsräte-Preis Verleihung des Betriebsräte-Preises 2015

     

     

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