Arbeit

    Mit einem Brief an die Geschäftsführung unterstützen die Kundinnen …

    Amazon

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    Sie haben bei Amazon etwas bestellt und das gefällt Ihnen nicht? Dann schicken Sie es zurück. Und da die Bedingungen, unter denen die Beschäftigten des Internetversandhändlers arbeiten, nicht gefallen können, legen Sie doch noch einen Brief an den Geschäftsführer der Amazon Logistik GmbH, Robert Marhan, bei. Denn die Arbeit in den verschiedenen Logistik-Zentren bundesweit ist geprägt von niedriger Entlohnung und zahlreichen Befristungen. Einen Tarifvertrag gibt es nicht.

    „Als Kunde wünsche ich aber, dass bei Amazon gute Arbeitsbedingungen und gute Bezahlung an der Tagesordnung sind. Bitte teilen Sie mir mit was Amazon unternimmt, um diesem Anspruch gerecht zu werden", heißt es in dem Brief. Alle Amazon-Rücksendungen bundesweit gehen nach Bad Hersfeld. Die Beschäftigten dort haben in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Briefe an die Geschäftsführung weitergeleitet. „Ihnen tut es gut, dass sie von außen so viel Unterstützung bekommen", sagt Heiner Reimann, der als Organizer ein ver.di-Projekt für die Amazon-Beschäftigten in Bad Hersfeld betreut. „Sie sehen, dass sie nicht alleine sind."

    In einem Antwortbrief von Amazon schreibt die Geschäftsführung von dem Respekt, mit dem sie die Beschäftigten behandeln würde. Der sieht am Beispiel Bad Hersfeld in der Realität so aus: In zwei Lagern arbeiten derzeit rund 5000 Beschäftigte, zwei Drittel von ihnen sind nur befristet eingestellt. Das hat nicht nur mit dem Weihnachtsgeschäft zu tun, Befristungen zählen bei Amazon zur Personalpolitik. Durch sie werden die Beschäftigten unter einen enormen Leistungsdruck gesetzt. Über Handscanner, die die Beschäftigten für ihre Arbeit bei sich tragen, ist es möglich, ihre Tätigkeit lückenlos zu überwachen.

    Tariflohn statt Wettbewerbslohn

    Bezahlt werden die Amazon-Beschäftigten nach dem, was ein Manager des Logistik-Zentrums in Leipzig als „Wettbewerbslohn“ bezeichnet hat. Das bedeutet, dass selbst an den verschiedenen Standorten in Deutschland unterschiedliche Löhne gezahlt werden. So haben im Sommer 2011 Beschäftigte in Leipzig, für die zu dieser Zeit als unbefristet Tätige Stundenlöhne von 8,65 Euro die Regel waren, Beschäftigte aus einem neu eröffneten Logistik-Zentrum in Graben bei Augsburg angelernt. Diese Kolleg/innen steigen mit mehr als 9 Euro pro Stunde ein.

    Amazon selbst sieht sich als Logistik-Unternehmen. Aber Amazon verdient sein Geld durch den Verkauf an Endkunden und ist damit aus ver.di-Sicht ein Versandhändler. Legt man den Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels zu Grunde, ergeben sich beträchtliche Lohndifferenzen. Ein Packer aus Bad Hersfeld würde danach mit Wechselschichtzulage rund 4228 Euro im Jahr mehr verdienen als derzeit. Ihm fehlen auch tarifliche Zuschläge für Sonn- und Feiertage, Einmalzahlungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, vermögenswirksame Leistungen und der volle Lohn von Anfang an. Außerdem stünden ihm mehr Urlaubstage zu.

    Bessere Arbeitsbedingungen erkämpfen

    Die Beschäftigten wollen sich bessere Arbeitsbedingungen über einen Tarifvertrag erkämpfen, nicht nur in Leipzig und Bad Hersfeld, wo es Betriebsräte und ver.di-Betriebsgruppen gibt. In Graben bei Augsburg und im nordrhein-westfälischen Rheinberg sind mittlerweile neue Logistik-Zentren eröffnet worden. Die Briefaktion läuft weiter. Der Brief kann auf dieser Seite heruntergeladen und auch direkt an den Geschäftsführer geschickt werden. Liegt er in einem Briefumschlag einer Rücksendung bei, leiten die dort arbeitenden Kolleginnen und Kollegen ihn weiter.

    Text: Heike Langenberg

    Website der bei ver.di organisierten Amazon-Kolleg/innen

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