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    Leiharbeit

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    Leiharbeit Foto: Kurt Fuchs/fuchs-foto.de Leiharbeit

    Leiharbeit ist heute für viele Menschen Realität. Denn es boomt, das Geschäft mit den entliehenen Arbeitskräften.

    Bis 2004 war Leiharbeit in Deutschland eine Ausnahme. Unternehmer nutzten sie, um Auftragsspitzen zu bewältigen. Mit den Hartz-IV-Gesetzen hat die damalige rot-grüne Bundesregierung auch die Leiharbeit dereguliert. Seither boomt diese Art der Beschäftigung. Unternehmen gründeten ihre eigenen Leiharbeitsfirmen, um dort nur noch Dumpinglöhne zu zahlen. Inzwischen arbeiten selbst Krankenschwestern und -pfleger auf der Basis von Leiharbeit. Sozialdienste wie die Caritas haben eigene Leiharbeitsfirmen gegründet. Im Einzelhandel sind ausgeliehene Arbeitnehmer gang und gäbe. Und selbst Redakteure in Tageszeitungen werden als Leiharbeiter beschäftigt.

    Schon 1 Million Leiharbeiter

    In allen diesen Beschäftigungsfeldern reduzieren Arbeitgeber mit Hilfe der Leiharbeit ihre Stammbelegschaft. So senken sie Lohnkosten und maximieren ihre Gewinne. Rund 300.000 waren es vor den Hartz-Gesetzen, danach stieg die Zahl bis über 800.000 Leiharbeiter an. In der Finanz- und Wirtschaftskrise waren sie es, die als erste ihren Job verloren. Anschließend boomte die Branche wieder. Rund eine Millionen Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter gab es Anfang 2011 in Deutschland. Bei jeder dritten offenen Stelle, die über die Arbeitsagenturen ausgeschrieben ist, wird ein Leiharbeiter gesucht.
    Parallel dazu rühmen die Arbeitgeberverbände die Leiharbeit als Chance auf einen festen Job. Und auch die Jobcenter locken bundesweit mit dem Versprechen, Leiharbeit sei ein Sprungbrett in die Festanstellung. Doch die Fakten widerlegen das: Nur sieben Prozent aller Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer schaffen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung den Sprung in einen regulären Job. Und: Mehr als zwei Drittel der Leiharbeitskräfte in Deutschland arbeiten für Stundenlöhne unterhalb der Niedriglohnschwelle. Deutschland ist damit inzwischen das Land in Westeuropa mit dem größten Lohnabstand zwischen Leiharbeit und regulärer Beschäftigung.

    Kein Dumping im Namen Gottes

    Dafür sorgten auch die Christlichen Gewerkschaften, die in Leiharbeitstarifverträgen Dumpinglöhne festschrieben. Doch dagegen können Arbeitnehmer sich zur Wehr setzen. So entschied das Bundesarbeitsgericht im Dezember 2010, dass die CGZP (Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personal-Service-Agenturen) keine tariffähige Gewerkschaft ist. Und das Arbeitsgericht Berlin befand wenig später, die CGPZ sei schon 2004 nicht tariffähig gewesen, als sie die ersten Leiharbeitstarife mit Leiharbeitsunternehmen abgeschlossen hatte. Das kann zu beträchtlichen Nachforderungen führen.
    Druck wirkte auch anderswo: Die Drogeriekette Schlecker hat auf gewerkschaftlichen und öffentlichen Druck hin nachgegeben und die Leiharbeit zurückgefahren. An der Universitätsklinik in Essen stellte die Leitung des Klinikums die Leiharbeitspraxis ein. Und ver.di macht weiter Druck – in den Betrieben und in der Öffentlichkeit. Denn es geht auch bei der Leiharbeit um gleichen Lohn für gleiche Arbeit – und zwar ab dem ersten Tag!

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