Arbeit

    Rote Herzen in trüben Zeiten

    2000 Demonstranten fordern Betriebsübergang für Air-Berlin-Beschäftigte

    Berlin | Rund 2000 ehemalige Beschäftigte der Air Berlin und Unterstützer haben am 22. November 2017 gegen den Verlust der Arbeitsplätze und die sozialen Folgen demonstriert. Rote Luftballonherzen, das Symbol der Airline mit Herz, flogen in den trüben Novemberhimmel. Die beißende Kälte passte zum Anlass der Kundgebung. 39 Jahre war die Fluggesellschaft in Deutschland etabliert, stand an zweiter Stelle hinter der Lufthansa. Nun ist das vorbei. Am 27. Oktober ging der letzte Flug. Und bis jetzt wissen die meisten der rund 8.200 Beschäftigten nicht, wie es für sie weitergeht.

    Die Beschäftigten von Air Berlin wollen einen Betriebsübergang und nicht übers Ohr gehauen werden Foto: Renate Koßmann Sie wollen einen Betriebsübergang und nicht übers Ohr gehauen werden

    Es gibt zwar Angebote und Teillösungen für die Beschäftigten, doch eine große Transfergesellschaft kam nicht zustande, weil sich Bund und Länder gedrückt haben. Und anders als von den Geschäftsführungen der Air Berlin oder Lufthansa behauptet, droht noch immer einem großen Teil der Menschen von Air Berlin die Arbeitslosigkeit, oder aber sie müssen sich auf ihre eigenen Arbeitsplätze bei der ehemaligen Konkurrenz bewerben, allerdings meist zu schlechteren Löhnen und schlechteren Bedingungen.

    Kritik für die Insolvenz auf dem Rücken der Beschäftigten ging auch an die Bundesregierung: „Wer eine 150 Millionen Euro Bürgschaft zur Verfügung stellt, ohne diese an die soziale Verantwortung gegenüber den Beschäftigten zu knüpfen, der macht sich mitschuldig und sollte sich nicht noch selbst auf die Schulter klopfen, einen neuen nationalen Champion geschaffen zu haben", hieß es seitens der ver.di Tarifkommission airberlin Kabine in einem Flugblatt. Und diese Verantwortung wurde auch von mehreren Rednern betont.

    Derweil dürften im Management die Champagnerkorken knallen. Während sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr durch die Übernahme von 81 Flugzeugen der Air Berlin ein Monopol sichert, hat auch Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann seinen Schnitt gemacht. Sein Gehalt der nächsten Jahre, immerhin 4,5 Millionen Euro, liegt geschützt vor der Insolvenz auf einem Treuhandkonto. Nur die Beschäftigten können sehen, wo sie bleiben, denn die Erwerber Lufthansa und Easyjet drücken sich vor einem ordentlichen Betriebsübergang nach Paragraf 613a. Deshalb riefen die Demonstranten auch immer wieder: „Winkelmann und Spohr hauen uns übers Ohr.“

    Die Organisatoren der Kundgebung übergaben eine Petition an den Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi, Die Linke. Gysi las einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, den er zusammen mit den gesammelten 41.639 Unterschriften der Petition übergeben will. Unterschrieben von Menschen, die sich solidarisch mit den Beschäftigten der Air Berlin erklären. Gysi kritisierte, es sei nicht nachvollziehbar, dass nicht wenigstens auf die Übernahme der Beschäftigten bestanden wurde. „Es darf nicht nur ums Geschäft gehen, man muss auch an die Menschen denken“, sagte er.

    Rund 2.000 Menschen kamen zur Kundgebung der Air Berlin: Mitarbeiter, Freunde, Unterstützer Foto: Renate Koßmann Rund 2.000 Menschen kamen zur Kundgebung der Air Berlin

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