Arbeit

    Volksbank Kraichgau probiert es mit Kündigung

    „Mir bleibt nichts anderes übrig als zu kämpfen"

    Am 3. Februar erhält Torsten Wacker seine fristlose Kündigung. Für den 49jährigen kommt diese Mitteilung seines Vorgesetzten völlig überraschend. Seit 33 Jahren arbeitet er bei der Volksbank Kraichgau, hat hier als 16jähriger seine Ausbildung begonnen.

    Mittlerweile arbeitet er in der Wertpapierabteilung, kauft und verkauft im Auftrag der Kund/innen Devisen und Wertpapiere. Das macht er aber nur noch an einem Tag in der Woche, an vier Tagen ist er als Betriebsrat freigestellt. Außerdem ist er Mitglied im Aufsichtsrat der Bank. In 33 Jahren hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen. Jetzt wirft der Arbeitgeber ihm vor, seine Beraternummer nachträglich bei einigen Online-Transaktionen eingetragen zu haben. Damit hätte er versucht, seine Provisionszahlungen aufzubessern. Die Volksbank beziffert den Schaden auf 450 Euro im Jahr 2013.

    Die Bundesfachgruppen Genossenschaftsbanken unterstützt Torsten Wacker. ver.di Solidarität mit Torsten  – Die ver.di-Bundesfachgruppe Genossenschaftsbanken unterstützt Torsten Wacker.

    Der Betriebsrat stimmt der Kündigung seines Vorsitzenden nicht zu. Jetzt hat der Arbeitgeber beim zuständigen Arbeitsgericht beantragt, die Zustimmung zu der Kündigung zu ersetzen. Ein Gütetermin im März blieb ohne Ergebnis, verhandelt wird jetzt wohl im Sommer. Für Wacker geht es vor allem darum, dass der Betrugsvorwurf ausgeräumt wird. „Mir bleibt nichts anderes übrig als zu kämpfen“, sagt er. Vier Tage in der Woche ist er in der Bank, setzt sich als Betriebsrat weiter für die Beschäftigten ein und geht seiner Aufgabe als Aufsichtsrat nach. Am fünften Tag hat der Arbeitgeber ihn wegen der Vorwürfe von seiner Tätigkeit in der Wertpapierabteilung freigestellt.

    ver.di-Sekretärin Katja Bronner vermutet politische Gründe hinter der Kündigung Wackers. Der Arbeitgeberverband der Volksbanken hat einen Tarifvertrag mit den Pseudogewerkschaften DHV und DBV abgeschlossen. Die haben kaum Mitglieder unter den Beschäftigten, dennoch aber einem Tarifvertrag zugestimmt, der für die Beschäftigten viele Verschlechterungen mit sich bringt. Bundesweit haben zwei Betriebsräte Gerichtsverfahren dagegen geführt, weil sie der Meinung sind, die Anwendung dieses Tarifvertrags sei nicht rechtmäßig.

    Einer der beiden war der Betriebsrat der Volksbank Kraichgau. Im Dezember vergangenen Jahres hat er sein Verfahren vor dem Landesarbeitsgericht Mannheim gewonnen. Dort muss jetzt der ver.di-Tarifvertrag so lange angewendet werden, bis Arbeitgeber und Betriebsrat ein betriebliches Eingruppierungssystem verhandelt und abgeschlossen haben. Der Fall geht jetzt vor das Bundesarbeitsgericht.

    „Hinter der Aktion steht der Versuch, einen wehrhaften und starken Betriebsrat mundtot zu machen."

    Katja Bronner, für Finanzdienstleistungen zuständige ver.di-Sekretärin im Bezirk Rhein-Neckar

    „Hinter der Aktion steht der Versuch, einen wehrhaften und starken Betriebsrat mundtot zu machen“, sagt Bronner. Nichts Ungewöhnliches bei den Volksbanken, einen ähnliches Fall hat es vor einigen Jahren erst in Ludwigsburg gegeben. So solle versucht werden, engagierte Interessenvertreter/innen einzuschüchtern.

    „Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen."

    Nadja Kürten, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Volksbank Kraichgau

    „Wenn sie es bei Torsten schaffen, dann schaffen sie es bei jedem“ seien die Ängste, die der Fall in Teilen der Belegschaft auslöse, beschreibt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Nadja Kürten die Stimmung bei den Beschäftigten. Doch sie will sich, ebenso wie die anderen Mitglieder des elfköpfigen Gremiums, nicht einschüchtern lassen und weiter für den Vorsitzenden, aber auch für die Interessen der Beschäftigten kämpfen. „Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen“, ist sie sich sicher. Froh ist sie, dabei auf ver.di als Netzwerk zurückgreifen zu können, in dem sie viel Unterstützung und praktische Hilfe erfährt.

    Um Torsten Wacker zu unterstützen, hat ver.di jetzt eine Online-Soli-Aktion initiiert. Wer möchte kann, wenn er auf den Link klickt, dem Betriebsratsvorsitzenden der Volksbank Kraichgau eine aufmunternde Botschaft schicken. Denn in diesen schweren Zeiten kann er Zuspruch gut gebrauchen.

    „Von wegen Genossenschaft" - Artikel aus der ver.di publik

    Die Betriebsräte dreier Genossenschaftsbanken klagen - Artikel aus der ver.di publik

    Die Hintergründe des Konflikts bei den Volks- und Raiffeisenbanken - Artikel aus dem Magazin „Mitbestimmung"

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