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    Dem NS-Regime die Gefolgschaft verweigert

    Weiblicher Widerstand

    Die Gewerkschafterin Luise Katholy wird 1937 verhaftet. Sie hatte in Leipzig die Parole „Nieder mit Hitler" verbreitet Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand Luise Katholy

    Über den Widerstand von Frauen gegen das NS-Regime ist auch mehr als 70 Jahre nach dessen Ende immer noch wenig bekannt. Das ändert eine Ausstellung der Frauengruppe des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933 - 1945. In ihr werden 18 Biografien von Frauen vorgestellt, die sich gegen den Terror des NS-Regimes gestellt haben. 18 Biografien, die zeigen, auf welch vielfältige Weise Frauen dem Regime ihre Gefolgschaft verweigert haben.

    Eine der Frauen, die in der Rosenstraße Widerstand geleistet haben: Charlotte Israel Foto: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf/Archiv Charlotte Israel

    Mit dabei ist Luise Katholy, bis 1933 Gewerkschaftsfunktionärin des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes. Gemeinsam mit Gleichgesinnten hat sie 1937 in Leipzig die Parole „Nieder mit Hitler“ auf Straßen und Gehwege gestempelt. 1939 wird sie wegen Hochverrats zu Zuchthaus verurteilt, anschließend kommt sie in „Schutzhaft“ und wird in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück gebracht.

    Frauen von der Rosenstraße

    Vorgestellt werden aber auch die Frauen von der Rosenstraße, Berlinerinnen wie Charlotte Israel, die sich für die Freilassung ihrer jüdischen Ehemänner eingesetzt haben. Oder Lisa Fittko, die nach ihrer Flucht nach Frankreich Emigrant/innen bei der Flucht über die Pyrenäen nach Spanien geholfen hat, bevor sie 1941 nach Kuba ausgereist ist.

    Die ver.di-Kollegin Gudrun Schmidt hat an der Ausstellung mitgearbeitet. Vorausgegangen ist der Ausstellungskonzeption eine Diskussion um einen erweiterten Widerstandbegriff. Er sollte nicht nur heroische  Taten im bewaffneten oder politischen Widerstand umfassen. „Häufig ist schon das Nicht-Mitmachen zum Beispiel in NS-Jugendgruppen als Widerstand zu bewerten“, sagt Schmidt mit Blick auf die Umstände in dieser Zeit. Vielfach hätten sich Frauen dem Frauenbild der Nazis verweigert, das sie auf Heim und Herd beschränken wollte. Und auch dieser Aufstand galt als Widerstand

    Lisa Fittko führte nach ihrer Flucht nach Südfrankreich zahlreiche Emigrant/innen durch die Pyrenäen nach Spanien Foto: Christian Jungeblodt Die Ausstellung „Nichts war vergeblich" ist im ver.di-Haus zu sehen

    Etwas Selbstverständliches

    „Frauen haben, nach ihrer Tätigkeit im Widerstand befragt, nicht das Gefühl, etwas Besonders getan, gar gekämpft zu haben, es erscheint ihnen etwas Selbstverständliches“, schreibt Ursula Krause-Schmitt im Ausstellungskatalog. Um diese Taten mehr in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken, hat die Frauen-Gruppe die Ausstellung „Nichts war vergeblich“ konzipiert. Sie war bereits an verschiedenen Orten, darunter auch einige ver.di-Häuser, zu sehen. Jetzt wird sie vom 23. Mai bis zum 30. Juni in der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin gezeigt.

    Für ver.di-Archivar Hartmut Simon ist es gerade im Frauenjahr 2018 wichtig, diese Ausstellung zu zeigen. Vor 100 Jahren hatten Frauen durch ihre Widerständigkeit das Frauenwahlrecht erkämpft. „Diese Ausstellung zeigt Frauen, die in der NS-Zeit widerständig waren, die sich nicht anpassen wollten, Frauen, die Menschen zur Flucht verhalfen, Analysen über das System verfassten, Widerstandsschriften verteilten. Wenn sie gefasst wurden, kamen sie ins KZ, wurden misshandelt, hingerichtet, ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht", sagt der Historiker.

    ver.di-Bildungsstätte nach Clara Sahlberg benannt

    Allzuhäufig werde auch heute noch Widerstand als männlich wahrgenommen. Dabei sei es gerade in der NS-Zeit schon ausgesprochen mutig und gefährlich gewesen, nicht mitzumachen. „Frauen weist man im Widerstand eher unterstützende Rollen zu. Dass das nicht die ganze Wahrheit ist, zeigt diese Ausstellung", sagt Simon. Zu den widerständigen Frauen zählt er auch Clara Sahlberg, die als Mitarbeiterin des Arbeitsamtes in Berlin Verfolgten des NS-Regimes mit falschen Papieren geholfen hat. ver.di hat nach ihr die Bildungsstätte am Wannsee benannt.

    Text: Heike Langenberg

    Mehr zu der Ausstellung

    Ausstellung in Berlin

    Vom 23. Mai bis zum 30. Juni ist die Ausstellung „Nichts war vergeblich“ in der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin, Paula-Thiede-Ufer 10 zu deren Öffnungszeiten zu sehen. Die Ausstellung wird anschließend vom 25. Juni bis 13. Juli im Rathaus von Nieder-Olm, vom 27. August bis zum 14. September im DGB-Haus Darmstadt und vom 11. bis 26. Oktober im Evangelischen Frauenbegegnungszentraum in Frankfurt/Main gezeigt. Weitere Termine sind in Planung.

    Auch der Wderstand der Fraen aus der Rosenstraße ist Inhalt der Ausstellung Foto: cc/privat Die Skulptur „Block der Frauen“ in Berlin