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    ver.di startet Kampagne bei Direktbanken

    ver.di startet Kampagne bei Direktbanken

    16.05.2001

    'FiDi.direct" hat 'weiße Flecken' in Call Centern im Blick

    Frankfurt/M. - ver.di geht bei den Direktbanken in die Offensive: Mit einer langfristig angelegten Kampagne will die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft gezielt die Beschäftigten in den Call Centern der Kreditinstitute ansprechen und damit Mitglieder in einer Branche gewinnen, die bislang in weiten Teilen gewerkschafts- und tarifvertragsfrei ist. "Wir wollen hier Ressourcen nutzen, die durch den Zusammenschluss der fünf Gründungsgewerkschaften zu ver.di frei werden", kündigte Hinrich Feddersen, im ver.di-Bundesvorstand für Finanzdienstleistungen verantwortlich, an. Mit dem Projekt, das unter dem Motto "FiDi.direct (Finanzdienstleistungen im Direktvertrieb)" steht, will Feddersen zugleich der "grassierenden Tarifflucht im Finanzdienstleistungssektor" begegnen: "Mit der systematischen Austöchterung ihrer Call Center betreiben Banken wie Versicherungen Tarifflucht - und in der Folge Lohndumping: im Vergleich zu den Stammhäusern wird das Gehaltsniveau regelmäßig um mehr als 20 Prozent abgesenkt, auch die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich."

    Hier setzt das ver.di-Projekt an, das - so Feddersen weiter - konzipiert ist als "Kampagne von Mitgliedern für Mitglieder": "Wir wollen gemeinsam mit den Beschäftigten innovative Ideen zur Lösung der besonderen Probleme dieser Branche entwickeln", erklärte der Gewerkschafter. Als Beispiele nannte Feddersen unter anderem die Regelung des 24-Stunden-Betriebes, die Gestaltung eines einheitlichen Vergütungssystems sowie die Qualifizierung der Beschäftigten mit Blick auf Internet-Banking und e-commerce - nur sei sicherzustellen, dass die Beschäftigten mit den ungemein schnellen Entwicklungen in dieser Branche mithalten können. ver.di will gemeinsam mit den Beschäftigten Mustertarifverträge entwickeln und diese zunächst über Haustarifverträge in den Direktbanken verankern. Damit solle zugleich, so Feddersen, einem späteren Branchentarifvertrag der Weg geebnet werden.

    Die Mustertarifverträge sollen deutlich machen, welche konkreten Vorteile kollektive Regelungen für die Beschäftigten mit sich bringen. Neben transparenten, branchenüblichen Entlohnungssystemen, der 38-Stunden-Woche und Qualifizierungsregelungen für die Beschäftigten geht es ver.di dabei auch um die Festschreibung von 30 Tagen Urlaub und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

    "Dass gewerkschaftliche Kraft zum Erfolg führt, zeigen die Manteltarifverhandlungen mit easytrade, dem Call Center der Postbank, die kurz vor dem Abschluss stehen", unterstrich Feddersen. Im Postkonzern liege der Organisationsgrad über 60 Prozent - und diese Stärke habe maßgeblich dazu beigetragen, dass das neue Tarifwerk enorme Verbesserungen für die Beschäftigten bei easytrade mit sich bringen werde: Unter anderem sei es gelungen, die 38,5 Stunden-Woche und einen 30tägigen Urlaub zu vereinbaren. An den easytrade-Standorten Köln und Leipzig arbeiten derzeit rund 200 Menschen.

    Das Projekt "FiDi.direct" wird sich auf dem ver.di-Gründungskongress in NRW am 18. Mai 2001 in der Düsseldorfer Stadthalle präsentieren. NRW stelle einen Schwerpunkt der Kampagne dar, so Hinrich Feddersen. Aufgrund der offensiven Ansiedlungspolitik der NRW-Landesregierung sei die Call Center-Dichte hier besonders hoch: Allein in den Call Centern von Deutscher und Dresdner Bank sowie von Advance Bank und Citibank arbeiten derzeit knapp 4.000 Menschen in NRW, die Tendenz sei weiter steigend.

    Laut Feddersen wird die Kampagne in den kommenden Monaten in einer Reihe von Direktbanken anlaufen. "Unser Ziel ist es, möglichst viele Beschäftigte in die Entwicklung der ver.di-Forderungen einzubeziehen", betonte der Gewerkschafter. Anlässlich von Betriebs- und Mitgliederversammlungen sollen unter anderem die Eckpunkte des Tarifvertrages vorgestellt und diskutiert werden. Die Vernetzung der Belegschaften soll ein "chat room" im Internet unterstützen.

    Außerhalb der Betriebe will ver.di mit viel Information und Aufklärung für die Ziele der Kampagne mobilisieren.


    Ansprechpartner für das Projekt:
    Rolf Stockem, ver.di-Fachbereich FiDi (Tel. 0171/5415783)
    Annette Falkenberg, ver.di-Fachbereich FiDi (Tel. 0170/5645293)

    für die ver.di-Fachgruppe Postbank/easytrade:
    Christel Zobeley (Tel. 0170/4521876 oder 069/66952100)

    Pressekontakt

    Harald Reutter ver.di-Bundesvorstand Potsdamer Platz 10 10785 Berlin Tel.: 030/6956-1010 bis -1017 Fax: 030/6956-3001 e-mail:pressestelle@verdi.de
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