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    Crowdworker kritisieren: Auf Internet-Plattformen ist selbst im Nebenerwerb zu wenig zu verdienen – ver.di-Studie

    16.05.2017

    Crowdworker schätzen an ihrer Arbeit die geringen formalen Zugangshürden, kritisieren aber die geringe Bezahlung. Die Zufriedenheit mit der Arbeit auf Plattformen ist deutlich niedriger als bei anderen Formen der Erwerbstätigkeit. Zudem beschleunigt Crowdwork die so genannte Erwerbshybridisierung, bei der Menschen unterschiedliche Auftrags- und Beschäftigungsbeziehungen sowie Einkommensquellen miteinander kombinieren. Das geht aus einer Studie über plattformbasierte Online-Arbeit in Deutschland hervor, die die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) gemeinsam mit dem Arbeitssoziologen Prof. Dr. Hans Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München erstellt hat.

    Die Studie basiert auf einer Befragung von ver.di-Mitgliedern unter anderem über ihre Erfahrungen mit Crowdwork und setzt die Ergebnisse ins Verhältnis zur bestehenden Forschung in Deutschland. An der Umfrage nahmen über 800 ver.di-Mitglieder teil, von denen rund fünf Prozent über entsprechende Erfahrungen verfügen. Bei Crowdwork übernehmen digitale Plattformen klas-sische Arbeitgeberfunktionen, drängen Beschäftigte in die Rolle von selbstständigen Auftragnehmern und setzen sie damit zunehmend den verschärften Wettbewerbsbedingungen eines tatsächlich entstehenden globalen Arbeits-marktes aus.

    Die Studie zeigt unter anderem auf, dass Crowdwork in der Regel eine Nebentätigkeit darstellt, die von hauptberuflich Selbstständigen, Angestellten und Nicht-Erwerbstätigen (z.B. Studierenden, Rentner/innen) ausgeübt wird. In Deutschland sind schätzungsweise mehrere hunderttausend Personen regelmäßig auf solchen Internet-Plattformen aktiv, die aber nur einen Zuver-dienst von circa 500 Euro monatlich erwirtschaften. Als existenzsichernde Haupterwerbsquelle dient die plattformbasierte Arbeit bislang vermutlich nur wenigen tausend Menschen bundesweit.

    Die Gewerkschaften stellt die Plattform-Wirtschaft vor besondere Herausforderungen. Auch wenn Online-Arbeitende überwiegend männlich, jung und hochqualifiziert sind, ist die Heterogenität dieser Gruppe insgesamt erheblich stärker ausgeprägt als bei jeder anderen Form bezahlter Arbeit.

    Problematisch ist Crowdwork auch im Hinblick auf die Absicherung der Be-schäftigten und die Rolle der Sozialversicherungen – wachsende Bereiche von Erwerbstätigkeit werden nicht mehr ausreichend abgedeckt. Deshalb fordert ver.di eine gemeinsame Erwerbstätigenversicherung unabhängig vom Erwerbsstatus: „Wir müssen das Arbeitsrecht an die neuen Bedingungen der digitalen Arbeitswelt anpassen. Auf den Plattformen arbeitende Menschen müssen in Zukunft einen angemessenen Schutz erfahren. Dies können wir nur erreichen, wenn wir sie stärker in die Debatte über Gute Arbeit in der digitalen Welt einbeziehen“, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder.

    Die Gewerkschaft hat rund 30.000 Solo-Selbstständige als Mitglied und berät auch Crowdworker.

     

    Hinweis an die Redaktionen:
    Diskussionsveranstaltung „Gewerkschaften – Crowdworker – Solo-Selbstständige“ über die Herausforderungen und Erwartungen von solo-selbstständigen ver.di-Mitgliedern, 16. Mai 2017 ab 18:00, ver.di-Bundesverwaltung, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin, Raum Nabuc-co, BG

    Weitere Informationen/Bestellung der Studie: Sarah Bormann, ver.di-Bundesverwaltung Innovation und Gute Arbeit, 030/6956-1362, sarah.bormann@verdi.de

    Zum Projekt: Die Studie ist im Rahmen des Projekts „Herausforderung Cloud und Crowd – Neue Organisationskonzepte für Dienstleistungen nachhaltig gestalten“ entstanden, das durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut wird. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.