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    Arbeitgeber im Einzelhandel setzen auf Lohndumping - Steuerzahler …

    Arbeitgeber im Einzelhandel setzen auf Lohndumping - Steuerzahler sollen Geschäftsmodelle der Handelskonzerne finanzieren

    13.06.2013

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) bekräftigt entschieden ihre Forderung gegenüber dem Handelsverband Deutschland (HDE) und seinen regionalen Verbänden, in der laufenden Einzelhandelstarifrunde sowohl für eine spürbare Entgelterhöhung für die Beschäftigten zu sorgen, als auch die Manteltarifverträge ohne Verschlechterung wieder in Kraft zu setzen. Tausende Beschäftigte streiken seit Wochen für diese Forderung. Massive Mitgliederzuwächse geben ver.di und den Beschäftigten Recht.

    „Mit rund 1,5 Milliarden Euro bezuschusst der Staat die Einkommen der Einzelhandelsbeschäftigten pro Jahr, weil ihnen das Geld nicht zum Leben reicht, so hat die Bundesregierung erst vor wenigen Tagen festgestellt. Dennoch wollen die Arbeitgeber den eingeschlagenen Weg fortsetzen und genau diesen Menschen von dem wenigen, was sie haben, noch etwas wegnehmen – das ist eine Unverfrorenheit sondergleichen“, kritisierte Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.

    „Die Beschäftigten sollen nicht nur auf Spät- und Nachtzuschläge verzichten. Sie sollen auch so flexibel auf Abruf eingesetzt und Teilzeitbeschäftigten wesentliche Schutzvorschriften genommen werden, dass sie zur zeitlichen Manövriermasse der Unternehmen werden. An eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dann gar nicht mehr zu denken. Obendrein sollen unter anderem die Kassiererinnen und Warenauffüller abgruppiert werden“, so Nutzenberger. Gestärkt würden mit diesen Arbeitgeberforderungen Geschäftsmodelle, die auf Lohnsubventionierung durch die Sozialversicherung und die Steuerzahler setzten. Diese finanzierten mit ihrem Geld die Gewinne der großen Handelskonzerne.

    Wenn ver.di in den laufenden Tarifrunden massive Verschlechterungen für große Teile der Beschäftigten abwehre, sei dies keine Blockade, wie der Arbeitgeberverband polemisiert. Vielmehr gehöre es zum gesunden Menschenverstand, Schaden von den Menschen im Einzelhandel abzuwenden, so die Gewerkschafterin. Das sähen die Beschäftigten genauso. „Wir haben seit Januar 2013 rund 22.000 Neueintritte – das zeigt deutlich, dass sich die Menschen durch ver.di gut vertreten und unterstützt fühlen und sich mit unseren Tarifforderungen identifizieren. Auch die große Streikbereitschaft der Einzelhandelsbeschäftigten – bisher mehr als 80.000 Streikende deutschlandweit – ist ein beeindruckendes Signal“, betonte Nutzenberger.

    Es sei beschämend, wenn die zweitgrößte  Branche  des Landes zum Spitzenreiter der Prekarisierung werde. „Deshalb ist es höchste Zeit, dass sich die Arbeitgeber wieder an ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erinnern – und an ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung“, betonte die Gewerkschafterin.