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Neue ver.di-Studie: Schöne neue Handelswelt!? - Ein Blick hinter die Kulissen eines ausbeuterischen Geschäftsmodells

07.11.2012

Im deutschen Einzelhandel findet eine von der Öffentlichkeit unbemerkte dramatische Entwicklung statt, von der bereits rund 250.000 Beschäftigte betroffen sind: Rund zehntausend Filialen der beiden größten Lebensmittelkonzerne Edeka und Rewe werden an selbstständige Kaufleute ausgegliedert – mit der Folge, dass nahezu alle Beschäftigten ab diesem Zeitpunkt mit Niedriglöhnen abgespeist werden. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Veröffentlichung „Schöne neue Handelswelt!?“, die von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) am heutigen Mittwoch in Ingolstadt vorgestellt wird.

„Die beiden tarifgebundenen Unternehmen Edeka und Rewe überlassen tausende Filialen selbstständigen Einzelhändlern, die unter dem jeweiligen Konzern-Namen die Filialen eigenständig weiter betreiben. Oder es werden Filialen direkt in dieser Betriebsform gegründet“, erläutert Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.

Dieser so genannte „privatisierte Handel“ habe für die betroffenen Beschäftigten fast ausnahmslos drastische Konsequenzen. „Ein aus dem Genossenschaftsgedanken entstandenes Betriebsformat mutiert unter der Federführung der Konzerne zu einem nahezu betriebsratsfreien, tarifvertragslosen und damit ungeschützten Bereich, der vielfach mit Dumpinglöhnen den Verdrängungswettbewerb weiter anheizt“, kritisiert Nutzenberger. „Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern ist es aber nicht egal, unter welchen Bedingungen die Beschäftigten tagtäglich für sie arbeiten und für sie da sind. Die wenigsten Kundinnen und Kunden wissen allerdings über die Arbeitsbedingungen in diesen Filialen Bescheid“, so die Gewerkschafterin weiter.

Die ver.di-Untersuchung beleuchtet die Praxis der „Privatisierung“ aus den unterschiedlichen Blickwinkeln mehrerer Autorinnen und Autoren - unter anderem von Bert Warich vom Institut für Wirtschafts- und Arbeitsmarktforschung, Beratung, Evaluation (WABE). Der Wissenschaftler stellt fest: „Ein Wechsel des Betriebsformats darf für die Beschäftigten kein Übergang in Unsicherheit und untertarifliche Bezahlung bedeuten. Ein Zurückfallen auf untertarifliche Standards und ein mitbestimmungsfeindliches Klima beim Übergang in den selbstständigen Einzelhandel ist sowohl aus sozialpolitischer, gewerkschaftlicher sowie mitbe-stimmungsrechtlicher Sicht nicht hinnehmbar.“

Das Ziel müsse vielmehr sein, „dass Menschen im Handel zu guten und gesunden Arbeitsbedingungen, mit fairen Gehältern unter dem Schutz von Tarifverträgen und Betriebsräten arbeiten können und dem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb klare Grenzen gesetzt werden - auch zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher, der Menschen, die bei den Lieferanten und bei kleinen und mittelständischen Einzelhändlern arbeiten“, fordert ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Pressekontakt

Christiane Scheller
ver.di-Bundesvorstand
Paula-Thiede-Ufer 10
10179 Berlin
Tel.: 030/6956-1011 bzw. -1012
Fax: 030/6956-3001
E-Mail: pressestelle@verdi.de
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