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    Prekäre Arbeitsverhältnisse im Einzelhandel auf dem Vormarsch …

    Prekäre Arbeitsverhältnisse im Einzelhandel auf dem Vormarsch – ver.di fordert allgemeinverbindliche Tarifverträge und keine Ausweitung von Sonntagsarbeit

    02.06.2017

    Der Einzel- und Versandhandel boomt. Doch während die Umsätze gestiegen sind, nehmen Vollzeitstellen und Tarifbindung weiter ab. Zugleich wächst der Anteil der Niedriglohnbezieher (fast jeder Dritte verdiente 2014 weniger als zehn Euro brutto Stundenlohn) sowie der atypischen Arbeitszeiten, etwa in den Abendstunden, an Samstagen oder Sonn- und Feiertagen. Das zeigen neue Antworten der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion (https://tinyurl.com/y7ut7bud )

    „Die Beschäftigungsverhältnisse im Handel verschlechtern sich. Immer mehr Beschäftigte beziehen einen Niedriglohn, finden nur noch eine - oft unfreiwillige - Teilzeitstelle oder bekommen durch die Arbeit in den Abend- und Nachtstunden oder am Wochenende die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kaum unter einen Hut. Die Ergebnisse zeigen: Wir brauchen für den Einzel- und Versandhandel allgemeinverbindliche Tarifverträge, um die Beschäftigten vor Lohndumping und schlechten Arbeitsbedingungen zu schützen. Wir wenden uns zudem gegen jede unnötige Sonntagsarbeit oder eine Ausweitung von Sonntagsöffnungen. Denn die Zeche dafür zahlen die Beschäftigten und die gesamte Gesellschaft. Der Sonntagsschutz ist ein verfassungsrechtliches Gut, das der ökonomischen Verwertung Grenzen setzt“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

    Die Debatte um mehr Sonntagsöffnungen verkenne zentrale Zusammenhänge, so Nutzenberger: „Ausgeweitete Öffnungszeiten fördern prekäre Beschäftigung, denn die Arbeitgeber decken diese fast nur noch durch Teilzeitkräfte ab, die hochflexibel arbeiten sollen. Zudem tragen längere Öffnungszeiten zu einer Monotonisierung der Innenstädte bei, denn vor allem große Unternehmen können sich verlängerte Öffnungszeiten leisten und verdrängen so kleinere Geschäfte. Damit wird dem Vernichtungswettbewerb im Handel weiter Vorschub geleistet.“

    Die Daten aus der kleinen Anfrage zeigen unter anderem: Zwar wuchs die Beschäftigung im Einzelhandel zwischen 2007 und 2016 um 7,7 Prozent, Vollzeitstellen sind aber weiterhin rückläufig (minus 6 Prozent). Über 1,8 der etwas über drei Millionen Beschäftigten im Einzelhandel arbeiteten 2016 in Teilzeit bzw. als sogenannte Minijobber. Fast jeder dritte Beschäftigte (32,3 Prozent) erhielt 2014 nur einen Niedriglohn von weniger als zehn Euro brutto in der Stunde (plus 73,6 Prozent gegenüber 2006). Die Steuerzahler bezuschussten das Geschäftsmodell der Einzelhändler 2015 mit rund 1,4 Milliarden Euro (Aufstockerleistungen). Rund 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten samstags. 2014 betrug der Umsatz im Einzelhandel 526 Milliarden Euro (plus 14,3 Prozent gegenüber 2009), im Versandhandel 35,7 Milliarden Euro (plus 88 Prozent gegenüber 2009).

    Pressekontakt

    Eva Völpel
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