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    Sven Fritsche, Berufskraftfahrer

    Weite Strecken

    Seit 20 Jahren fahre ich LKW. Zu DDR-Zeiten habe ich Fleischer gelernt. Ich war aber nicht mit der Art und Weise zufrieden, wie ich in der Kaufhalle als Fleischer behandelt wurde, da habe ich gedacht: Du kannst auch etwas anderes machen. Einen LKW-Führerschein hatte ich schon, so wurde ich Berufskraftfahrer. Ich darf vom kleinen LKW bis zum Sattelzug alles fahren. Ich bin festangestellt. Meine Firma arbeitet für die Autoindustrie. Ich fahre Ersatzteile und Teile für Neuwagen. Der Beginn meiner Arbeitszeit richtet sich nach der geplanten Ankunftszeit beim Kunden. Jeder Tag ist anders. Ob ich früh, nachmittags oder nachts beginne, das kann sich von Woche zu Woche ändern.

    Mein Arbeitsplatz: Sven Fritsche, 46 Jahre alt, Berufskraftfahrer Foto: Sven Doering / Agentur Focus Sven Fritsche, 46 Jahre alt, Berufskraftfahrer


    Ruhezeiten und Sicherheit

    Ich habe einen festen LKW, mit dem ich unterwegs bin. Nur die Auflieger werden getauscht. Die Uhrzeit, wann ich beim Kunden sein muss, steht fest. Anschließend bekomme ich die Rückladung und fahre wieder los. Der LKW soll nicht ohne Ladung unterwegs sein. Meine Pausen sind gesetzlich vorgeschrieben. Nach 4,5 Stunden Lenkzeit muss ich 45 Minuten Pause machen. Dann kann ich noch einmal 4,5 Stunden fahren, danach sind elf Stunden Nachtzeit vorgeschrieben. Das halte ich ein. Ich wünsche mir mehr Kontrollen von Fahrern. Es müsste auch härter bestraft werden, wenn jemand die Lenk- und Ruhezeiten nicht einhält. Viele Fahrer haben Angst um ihren Job, können sich nicht wehren und kennen vielleicht auch nicht den rechtlichen Hintergrund. Aber für die Sicherheit auf den Straßen sind die Ruhezeiten wichtig.

    Ich mache meinen Job wirklich gern und fahre lieber Fern- als Nahverkehr. Über eine weite Strecke freue ich mich. Es kann passieren, dass ich erst am Freitagabend beim Kunden ankomme, dort niemand mehr ist, und ich warten muss. Sonnabendfrüh erhalte ich dann keine Rückladung und muss übers Wochenende dort bleiben. Das gilt dann als Freizeit. Ich finde das aber nicht schlimm, denn so habe ich schon sehr viel gesehen. Die Zeit nutze ich und schaue mir alles an. Ich war schon in vielen Städten. Zu 80 Prozent fahre ich in Deutschland, den Rest im angrenzenden Ausland.

    Im Kreise der Kraftfahrer

    Um das Bild unseres Berufs in der Öffentlichkeit zu verbessern, haben wir Kraftfahrerkreise gegründet (www.kraftfahrerkreise.de). Ich bin Mitorganisator des Kraftfahrerkreises Chemnitz-Zwickau. Inzwischen gibt es zehn Kreise bundesweit, zwei sind noch in Gründung. Die Treffen werden regelmäßig von 20 bis 40 Kraftfahrern besucht. Wir bilden eine Gemeinschaft und behandeln Themen, die uns wichtig sind. Wir haben zum Beispiel Vertreter vom Bundesamt für Güterverkehr eingeladen. Sie haben sich vorgestellt und Fragen beantwortet. Die Kraftfahrerkreise sind autonom und das Bindeglied zwischen ver.di und den Kraftfahrern. Ich bin mal in ver.di eingetreten, da nur organisierte Berufskraftfahrer was erreichen können, und weil ich in der GUV Fakulta sein wollte. Das geht nur, wenn man Gewerkschaftsmitglied ist. Die GUV Fakulta hilft zum Beispiel, wenn man beruflich einen Schaden verursacht und haften muss. Im Juni wird der Kraftfahrerkreis Chemnitz-Zwickau bei ver.di eingegliedert und bekommt den Status einer ver.di-Betriebsgruppe.

    Protokoll: Silke Leuckfeld