ver.di

    Das sagen die Anderen

    #tröd und die Sowieso-schon-Nervensäge

    60 Sekunden für #tröd

    In den unendlichen Weiten des Twitter-Weltalls gibt es ein neues Schlagwort. Es heißt #tröd. In der Fachsprache von Twitter (das ist dieses Netz für Ultrakurznachrichten) spricht man von einem Hashtag, was nicht etwa was mit bekifften 24 Stunden zu tun hat, sondern Doppelkreuzmarkierung bedeutet. Damit kennzeichnet man besonders wichtige Themen, sodass sie im Kosmos von Twitter nicht verloren gehen.
    Nun als Doppelkreuz tröd.
    Ausgedacht hat sich das die Gewerkschaft ver.di. Sie will damit ihre Ultrakurznachrichten zu den Lohnverhandlungen der Staatsdiener markieren. Wie kommen die auf #tröd? Denkt man da nicht unweigerlich an #trödeln? Oder an nervende Trillerpfeifen und Tröten? Falsch! Richtig ist: T arif r unde im ö ffentlichen D ienst. Die Leute bei ver.di haben sich ja was gedacht dabei.
    Vielleicht ist das ein bisschen kompliziert. Aber die Gewerkschafter haben sich noch einen zweiten Hasch-Marker für ihre Kampagne einfallen lassen. Der ist richtig einfach. Aktionen ihrer Mitglieder laufen unter: #wirsinddieguten. Das kapiert wohl jeder. Für die Arbeitegber böte sich entsprechend an: #wirsinddiebösen. Oder #wirfiesengeizhälse oder #werdasliestistdoof. So was in der Art.
    Man sieht: Auch in der modernen, unübersichtlichen Welt von Twitter ist eigentlich alles ganz einfach. #hierschlussjetztschmunzeln.

    Die Zeit 13. Februar 2014

     

    Die Sowieso-schon-Nervensäge

    Nur mal angenommen, die Gewerkschaften Verdi und Beamtenbund hätten am Dienstag eine Lohnforderung von zehn Prozent gestellt. Nur mal angenommen also, das wäre der Wert, den die Sowieso-schon-Nervensäge Frank Bsirske für die Tarifrunde mit dem Bund und den Kommunen proklamiert hätte. Die Ungläubigkeit, ja die Empörung, wäre so groß gewesen, dass sich zumindest ein, zwei Tage lang für den ADAC niemand mehr interessiert hätte. In dem Fall hätte ja auch der Hinweis kaum etwas genutzt, dass dies ja nur eine Forderung sei, dass Forderungen niemals Ergebnisse ... etc. Und damit herüber in die Realität: Es wird zehn Prozent mehr Geld geben. Nicht bei Krankenschwestern, und auch nicht bei Erzieherinnen; aber bei Bundestagsabgeordneten.

    Süddeutsche Zeitung 12. Februar 2014

     

    Kassenwarte das Fürchten gelehrt

    Niemand sollte sich von der Zahl 3,5 Prozent täuschen lassen – sie macht kaum die Hälfte der neuen Tarifforderung aus, für welche die Gewerkschaft Verdi nun im öffentlichen Dienst kämpfen will. Die eigentliche Sprengkraft liegt in den sogenannten Sockelbeträgen: 100 Euro je Monat für alle, und für einige Gruppen noch einmal 70 Euro je Monat obendrauf. Damit bekommt das gesamte Forderungsvolumen schon fast Dimensionen der schaurigen Tarifrunden der 1970er Jahre, in denen der legendäre Gewerkschafter Heinz Kluncker die öffentlichen Kassenwarte das Fürchten lehrte. Eine der besonders spannenden Fragen im kommenden Tarifkampf ist nun, inwieweit auch die Streikmacht von Verdi Erinnerungen an jene alten Zeiten wecken kann; sie ist noch offen.

    Frankfurter Allgemeine Zeitung 12. Februar 2014