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    Über den Roten Teppich

    „Wir werden oft unterschätzt“

    21. März 2014 | Die Königin schreitet über den Roten Teppich, Applaus brandet auf. Plötzlich bleibt sie stehen und wirft die Robe ab. Darunter trägt sie ein Kleid aus Lumpen. Von der Königin zur Bettlerin, das Publikum jubelt. Silke Weiland ist Schneiderin und Ankleiderin am Staatstheater Saarbrücken. Als eine von vielen läuft sie am Freitag früh vor dem Hotel, in dem die zweite Verhandlungsrunde in der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst stattfindet, über den Roten Teppich. Sie lächelt und sagt, sie sei hier dabei für alle ihre Kolleginnen und Kollegen: „Damit wir endlich mehr Geld bekommen!“

    Beschäftigte vom Staatstheater Saarbrücken auf ver.dis Rotem Teppich bei den Tarifverhandlungen in Potsdam Kay Herschelmann Die Königin im Scheinwerferlicht  – Beschäftigte vom Staatstheater Saarbrücken auf ver.dis Rotem Teppich


    Darum geht es auch den anderen. Der Friedhofsaufseher aus München fordert „gerechten Lohn für schwere Arbeit“. Petra Münder, Reinigungskraft in einem Museum in Hannover, spricht davon, wie wichtig es ihr ist, mal ein anerkennendes Wort von Besuchern zu hören. „Wir werden oft unterschätzt, dabei wird unsere Arbeit dringend gebraucht!“

    Die medizinisch-technische Assistentin Maren Belschner ist aus Stuttgart nach Potsdam gekommen. Sie hat ihren kleinen Sohn Lennart mitgebracht. „Er war sogar beim Streik schon dabei“, sagt sie lachend. Auf dem Roten Teppich ruft sie einen einzigen Satz ins Mikrophon, gerichtet an die Arbeitgeber: „Mit schlechten Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung vergrault ihr den Nachwuchs!“ Im Gesundheitsbereich arbeitet auch Sylvia Habekost. Die Anästhesieschwester arbeitet im Vivantes-Klinikum Berlin-Friedrichshain. Heute hat sie ihren Arbeitsplatz gegen den Roten Teppich getauscht und setzt sich vor allem für mehr Personal in den Kliniken ein: „Damit wir die Arbeit schaffen und selbst gesund bleiben.“

    Auch der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske applaudiert den Stars aus dem öffentlichen Dienst. „Es ist gut, dass Ihr da seid! Busfahrer, Kanalarbeiter, Erzieherinnen, alle, die dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft zusammengehalten wird und funktioniert“, ruft er. Und: „Aber sie wollen auch was – gutes Geld!“ Dafür wird heute weiter verhandelt.